Andere Länder, andere Sitten – Achtung Fettnäpfchen

Fremde Sitten und Gebräuche sind Teil einer Reise in die Ferne. Sie machen für viele den besonderen Reiz aus, können allerdings auch zu Missverständnissen führen.

Andere Länder, andere Sitten – Achtung Fettnäpfchen

Ein wenig Vorbereitung auf die Traditionen und kulturellen Gepflogenheiten im gewählten Ferienland hilft auf Reisen sehr. Hier gibt es zehn wertvolle Tipps von uns aus dem Reiseknigge, um Fettnäpfchen zu vermeiden.

Buddha respektieren: Südostasiatische Länder

In buddhistischen Ländern, wie z.B. Thailand und Vietnam, gebührt Buddha grosse Ehre. Aus diesem Grund zieht man beim Besuch eines Tempels die Schuhe aus. Man sitzt auf dem Boden im Schneidersitz, anstatt die Beine lang zu machen, denn: Es gilt als respektlos, Buddha die Fusssohlen entgegen zu strecken. Das gilt auch für dessen Abbild in Form eines Bildes oder einer Statue. Des Weiteren gelten die Füsse in vielen asiatischen Ländern als unrein. Der Kopf hingegen ist heilig und sollte niemals angefasst werden. Aufgepasst: Auch mit dem Abbild von Buddha sollte mit Vorsicht umgegangen werden. Ein spanischer und ein kanadischer Tourist wurden in Myanmar aufgrund ihrer Buddha-Tattoos des Landes verwiesen.

Japan: Die richtige Begrüssung zählt

In Japan werden Höflichkeit und Etikette sehr ernstgenommen. Das gilt auch für die Begrüssung, die sich deutlich von den westlichen Gepflogenheiten unterscheidet. Die Toleranzschwelle für Berührungen ist in Japan deutlich höher. Das bedeutet, dass zur Begrüssung eine – idealerweise der gesellschaftlichen Stellung angepasste – Verbeugung absolut ausreichend ist. Ein Handschlag wäre bereits zu viel. Japaner lernen schon als Kinder, wem sie im Vorbeigehen durch einen subtilen Gruss ihre Achtung andeuten sollten. Auch am Arbeitsplatz sorgt diese höfliche Gewohnheit für ein gutes Klima unter Kollegen. Eine Erläuterung zu zehn unterschiedlichen Grussformeln in Japan hilft bei der Vorbereitung auf eine Reise in das traumhafte Land.

Singapur: Die selbsternannte Hauptstadt der Verbote

Singapur ist eine moderne Metropole, die durch ihren futuristischen Charakter und tropisches Klima besticht. Man darf sich allerdings nicht dazu hinreissen lassen, gegen eine der zahlreichen Regeln für das öffentliche Leben zu verstossen, denn: Singapur ist die selbsternannte Verbotshauptstadt. In öffentlichen Verkehrsmitteln, wie der unterirdischen MRT-Bahn oder den Bussen, ist der Konsum von Lebensmittel und Getränken streng untersagt und kann 300 Franken und mehr kosten. Wenn man Abfall auf die Strasse wirft, kann das sogar mit bis zu 700 Franken teuer werden. Aufgepasst: Die Reinlichkeit von Singapurs Strassen wird so ernst genommen, dass man Kaugummi nur gegen ärztliches Rezept erhält.

Sandburgen & Löcher: Regeln an europäischen Stränden

Viele europäische Touristen haben grossen Spass daran, in den Ferien am Strand Sandburgen zu bauen. Andere können Stunden damit verbringen ein möglichst tiefes Loch in den Sand zu buddeln. In den Niederlanden können Einheimische mittlerweile schon beim ersten Blick über den Strandabschnitt mit einem müden Lächeln beurteilen, wer sich dort aufhält. Auf der deutschen Ferieninsel Sylt ist es so weit gekommen, dass diese ‚gestalterische‘ Gewohnheit nun mit bis zu 1000 Franken Bussgeld bestraft wird. Das klingt zuerst nach einem Scherz, ist aber wahr.

Das thailändische Königshaus: Beleidigung ist strafbar

Die Thailänder verehren ihre Königsfamilie sehr. Jegliches unerwünschte Benehmen ihnen gegenüber wird heftig bestraft, teils sogar strenger als Mord. Ein Thailänder wurde beispielsweise 2015 zu 30 Jahren Haft verurteilt, weil er in den sozialen Medien Majestätslästerung begangen haben soll. Ein Schweizer, der 2007 im Alkoholrausch ein Bild des Monarchen mit Sprühfarbe verunglimpfte, wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt. Selbst die Abbildung auf den Banknoten sollte stets mit Respekt behandelt werden. Vor der ersten Reise nach Südostasien kann man sich viel Verwirrung ersparen, indem man sich über die Sitten vor Ort informiert.

Nacktheit (teils) erwünscht: Frankreich, Schweiz & Deutschland

An ausgewiesenen FKK-Stränden in Frankreich gehört es zum guten Ton, nackt zu sein. Wer hier angezogen an der Strandbude erscheint, wird schiefe Blicke ernten. Auch an einigen FKK-Stränden der deutschen Ostsee ist dies der Fall. In Deutschland ist es offiziell erlaubt, nackt zu schwimmen, Auto oder Rad zu fahren – unter der Bedingung, dass man dies nicht zur sexuellen Belustigung tut und sich niemand davon belästigt fühlt. In der Schweizer Region Appenzell-Innerhoden gab es eine Zeit lang einen extremen Trend zum Nacktwandern, der 2009 zu einem Verbot führte. Damit man sich immer am richtigen Teil des Strandes bewegt, lohnt es sich Informationen zu den schönsten europäischen FKK-Stränden einzuholen.

Essen mit Stäbchen: Japan und China

Das traditionelle Besteck in Japan und China sind Essstäbchen. Als Europäer ist es nicht einfach, sich daran zu gewöhnen. Hinzu kommt, dass die Stäbchen eine besondere Bedeutung haben. Wenn ein Angehöriger stirbt, wird in beiden Ländern eine Schale mit Reis vorbereitet. Für das Totenritual werden die Stäbchen senkrecht hineingesteckt. Anschliessend wird in Japan die Schale auf einen buddhistischen Altar gestellt. Auch das Essen mit zwei Paar Stäbchen gilt in Japan als Totenritual und ist unangebracht. In China bedeuten auf dem Tisch gekreuzte Stäbchen ausserdem Ablehnung für die Tischnachbarn.

Die linke Hand ist ‚unrein‘: Arabien, Indien und Indonesien

In vielen Ländern gilt die linke Hand als unrein. Sie sollte daher niemals zum Essen verwendet werden. Insbesondere in Ländern wie Arabien, Indien und Indonesien ist dies wichtig. Die linke Hand wird hier nur für den Toilettengang mit Wasser, anstelle von Toilettenpapier, verwendet. Beim Essen wird entweder Besteck oder ausschliesslich die rechte Hand (auch bei Linkshändern) verwendet. Tipp: Insbesondere in muslimischen Ländern wird die linke Hand als unrein angesehen. Zum Beispiel in Indonesien sollte man aus diesem Grund darauf achten das Gegenüber niemals mit der linken Hand zu begrüssen. Die rechte Hand gilt hier als „tangan bagus“ (zu Deutsch: gute Hand).

Kopfschütteln: Unterschiedliche Bedeutungen

Für uns Schweizer ist klar: Das Kopfschütteln bedeutet „Nein,“ ein Nicken hingegen sagt „Ja.“ In anderen Ländern ist teilweise das Gegenteil damit gemeint. Damit es zu keinen grossen Missverständnissen kommt, hier ein paar Tipps. In vielen Gegenden Indiens und in Bulgarien wird mit einem langsamen Wiegen des Kopfes Zustimmung signalisiert. Was für den Schweizer wie ein „Nein“ aussieht, ist als „Ja“ gemeint. Der feine Unterschied: Beim verneinenden Kopfschütteln wird das gesamte Gesicht um die Körperachse gedreht. Beim indischen und bulgarischen „Ja“ bleibt das Gesicht hingegen nach vorn gerichtet.

Trinkgeld: In Japan nie, in den USA so viel wie möglich

In vielen asiatischen Ländern, wie z.B. Indien und Indonesien, sorgt ein wenig ‚Bakschisch‘ dafür, dass alles schneller läuft. In China und Korea ist es hingegen offiziell verboten – solange jemand zusieht. In Japan wirkt ein Trinkgeld sogar beleidigend. Ganz anders sieht es hingegen in den USA aus. Hier leben viele fleissige Kellner von ihrem Trinkgeld, da der Lohn nicht annähernd ausreicht. Daher sind hier mindestens 10%, beziehungsweise eher 15 – 20% Trinkgeld angesagt. Beim Restaurant-Besuch findet man sich mit einem weltweiten Trinkgeld-Knigge auf jeder Reise problemlos zurecht.

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