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Osterbräuche – So feiert die Schweiz

Das erste grosse Kirchenfest des Jahres hat uns in der Schweiz Bräuche beschert, die bunter sind als die Ostereier selbst und weit über das Eiertütsche hinausgehen. Wers nicht glaubt – wir haben eine Auswahl zusammengestellt.

Osterbräuche – So feiert die Schweiz

Solothurn: Eierkratzen

Christlich ist das Ei nicht – dennoch kommt ihm eine tiefe Bedeutung zu. Eine seit Mitte des 19. Jahrhunderts im Kanton Solothurn gelebte Tradition ist das Eierkratzen. Dabei werden die Eier nach dem Färben mit Nägeln oder Messern mit aufwändigen Motiven verziert. Die Ornamente dieser alten Kunst stammen aus der Hochblüte der Bauernmalerei, teilweise wurden sogar Verse auf die Eier geritzt. Erfunden haben es die Schweizer dieses Mal nicht; der Osterbrauch ist slawisch. Der Nachteil: die Eier sind wahre Kunstwerk, die man am liebsten einfach nur anschauen will.

Foto: Shutterstock

Baselbiet/Aargau: Eierläset

Nach Ostern freut man sich im Baselbiet und in Teilen des Kantons Aargau auf das Eierläset. Dabei kämpfen die beiden Jahreszeiten Winter und Frühling um den Sieg – logischerweise spielen auch hier Eier eine zentrale Rolle. In zwei Bahnen werden bis zu 100 Eier auf kleine Sägemehl-Haufen gesetzt, die jedes Team aufsammeln und in eine Spreuwanne werfen muss. Zerbricht ein Ei, stehen Strafrunden an; wer als erster alle Eier eingesammelt hat, gewinnt. Dass der Frühling gewinnt, liegt zwar in der Natur der Sache, das Wettrennen mach aber trotzdem Spass. Anschliessend gibt es ein Essen mit Eierspeisen – was denn sonst!

Huttwil: Das Frühlingserwachen

Einen weiteren Eindruck von der Kunst der Eiermalerei bekommt man beim Huttwiler Frühlingserwachen. Hier stellen die Künstler ihre ovalen Kreationen vor, die sie mit viel Herzblut hergerichtet haben. Speziell: Nebst Hühnereiern, werden in Huttwil im Kanton Bern auch Straussen-, Schwanen-, Wachtel- oder Pelikan-Eier zu Kunstwerken – eine Ausstellung der besonderen Art.

Zürich: Zwänzgerle

In Zürich findet jeweils ein besonderer Eiertütsch-Wettbewerb statt, und zwar ganz nach dem Motto «Eier gegen Geld»: Beim «Zwänzgerle» werfen die Erwachsenen einen Zwanziger auf die Ostereier der Kinder. Bleibt die Münze stecken, gehören Geld und Ei dem «Grossen», prallt das Geld ab, darf das Kind die 20 Rappen behalten. Wer also sein Taschengeld aufpeppen will, sollte diesen Wettkampf zu Hause veranstalten!

Foto: ZuerichTourismus

Romont: Les Pleureuses

Etwas gruselig wird es hingegen an Karfreitag in Romont im Kanton Freiburg. Nach dem Verlesen der Passionsgeschichte in der Kirche Notre-Dame-de-l’Assomption ziehen schwarzgekleidete Klageweiber (Les Pleureuses) mit roten Kissen singend und betend durch die Oberstadt. Wer genauer hinschaut: auf den Kissen liegen die Marterwerkzeuge Christi – Dornenkrone, Geissel, Nägel, Hammer und Zange. Eine schaurig besinnliche Erinnerung an die Vorkommnisse an Karfreitag! 

Uster: Blaueierschwimmen

Wer so hartgesotten ist wie ein Osterei, der oder die sollte sich einmal das Blaueierschwimmen in der Seebadi in Unteruster antun. Bei eisigen Temperaturen stürzen sich die Schwimmer in den ebenso eisigen Greifensee und fischen sich vom Sprungturm, der etwa 20 Meter vom Ufer entfernt ist, ein blaues Ei. Diese Tradition ist zwar erst 12 Jahre alt, aufgrund ihrer Beliebtheit ist sie jedoch nicht mehr wegzudenken. Zudem dient sich noch einem guten Zweck: Der Erlös wird voll und ganz für Umweltprojekte verwendet.

Estavayer-le-Lac : Surrexit-Singen

Im Städtchen Esavtayer-le-Lac im Kanton Freiburg treffen sich am Karsamstag kurz vor Mitternacht die Männer des Dorfes vor der Kirche Saint-Laurent und singen das «Surrexit Christus hodie» (Christus ist heute auferstanden), um die Osternacht einzuläuten. Anschliessend zieht eine Prozession mit brennenden Fackeln singend und betend durch die Altstadt. Das Ende der Fastenzeit wird dann auf dem Dorfplatz mit Sauerkraut und Wurst gefeiert.

Mendrisio: Osterprozession wie im Film

Diese Tradition geht bis ins 16. Jahrhundert zurück: Weil grosse Teile der Bevölkerung weder lesen noch schreiben konnte, musste man sich in Mendrisio im Tessin eine Alternative überlegen, um den Gläubigen die Geschehnisse der Passion näherzubringen. Die Idee, die bis heute umgesetzt wird: ein gewaltiges Theater- und Kostümspektakel. Dafür scheuen die Tessiner weder Mühen noch Kosten: Die eindrücklichen Gewänder, deren Wert kaum zu ermessen ist, wurden aus dem Kostümfundus der Mailänder Scala im Jahr 1898 erworben. Und so gehts: 200 Darsteller in bombastischen Kostümen mit 50 Pferden spielen die Stationen des Kreuzweges nach – eine Gründonnerstags-Prozession, die zu den eindrücklichsten Osterbräuchen der Schweiz gehört.

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Ferden: Osterspende ohne Spuk

Ferden ist das Tor des Lötschentals im Wallis. Dort, versteckt auf knapp 1400 Metern über Meer, hat ein ganz besonderer Osterbrauch überlebt: Am Ostermontag erhalten nicht nur die Dorfbewohner, sondern alle Bewohner des Tals eine Portion Ziger, Brot und Wein. Das mag vielleicht nach christlicher Nächstenliebe klingen – ist es aber nicht. Die Tradition, die bis ins 14. Jahrhundert zurückgeht, gründet auf dem Aberglauben früherer Bergbauern. Auf den Alpen Faldum, Resti und Kummen soll ein spukender Senn die Kühe aus den Ställen getrieben haben. Um dem Schadenspuk ein Ende zu bereiten, verpflichteten sich die Alpbesitzer, die Milch zweier Tage zu Käse für die Bevölkerung zu verarbeiten – die Milch der fetten Sommertage, dem 23. und 24. Juli, wird noch heute zu Spende-Ziger verarbeitet. Zur Reifung wird der junge Käse in Fässer aus Tannenrinde, sogenannte «Rümpfe», gefüllt und im Gemeindehaus gelagert. Nachdem die Bewohner des Lötschentals ihre Portion Ziger erhalten haben, bedanken sie sich mit den Worten: «Vergelte es Gott tausendmal, und gebe Euch Gott den ewigen Lohn».

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