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Lappland – soweit die Pfoten tragen

Klirrende Kälte, Winterwunderland und herzige Augen: eine Hundeschlitten-Tour durch das Schwedische Lappland ist ein Abenteuer der besonderen Art. Fünf harte aber glückliche Tage im Nirgendwo in der Nähe des Polarkreises.

Lappland – soweit die Pfoten tragen

Am Morgen ist Che ein Eiskringel. Eingerollt hat er sich, die Schnauze zwischen die Pfoten gesteckt. Eiskristalle kleben an seinen Wimpern und seinen Barthaaren. Che hat die Nacht bei minus 30 Grad im Freien verbracht.

Keine Sorge. Das Raubein liebt die Hundskälte, den Geschmack des Schnees und die harte Arbeit: Che ist einer von fünf Huskys, die mich fünf Tage lang mit einem Schlitten durch Schwedisch Lappland ziehen. Jener Region, die einst das angestammte Land der Samen in den drei skandinavischen Ländern Norwegen, Schweden und Finnland nördlich des Polarkreises war.

Foto: TravelBistro

Organisiert wird das Schlittenhunde-Erlebnis durch die beiden Exil-Schweizer Jürg Eugster und Simone Mendelin, die 2007 zum Polarkreis gezogen sind, um ihren Traum zu verwirklichen: Ein Leben mit Huskys. Mittlerweile gehören nicht nur Kinder zur Familie, sondern auch 60 Schlittenhunde, die in einer grossen Zwingeranlage direkt neben dem Wohnhaus leben – ohrenbetäubender Radau in der Nacht, wenn ein Elch über das Grundstück trottet, inklusive.

Unterwegs mit den herzigen Vierbeinern

Das Wochenprogramm sieht zwei Einführungstage mit kleineren Touren vor, an denen man das Musher (Hundeführer)-Handwerk lernt, gefolgt von drei Tagen abseits jeglicher Zivilisation mit Übernachtung in einfachen Hütten. Was in der Beschreibung klingt wie ein paar Relaxtage mit herzigen Hunden vor romantischem Lagerfeuer, entpuppt sich bald als Knochenjob – mit Glücksgarantie. Denn Hundeliebhaber sind hier in Paradies: Streicheleinheiten, ein Schmatz mit der Zunge und treuherzige Blicke aus stahlblauen Augen hat es im Überfluss. Wer keinen engen Kontakt zu Hunden mag, ist hier allerdings fehl am Platz.

Foto: TravelBistro

Jeder von uns ist während der Tour für seine fünf Hunde verantwortlich. Das heisst mitanpacken: Füttern, die Schlitten versorgen und den Hunden das „Gstältli“ anlegen. Tägliches Highlight für die Hunde ist das Anziehen der kleinen Plastikschuhe, die die Pfoten vor scharfen Eiskristallen schützen: Da gibt es genügend Gelegenheit zum Kuscheln, um auf dem Menschen herum zu klettern und die kalte Nase dem Fremdling ins Gesicht zu drücken. Doch die Huskys sind nicht nur Kuscheltiere, sie sind Bulldozer, die stundenlang durch den Schnee pflügen können, ohne sich zu beschweren. Für die Schlittenhunde gibt es kein grösseres Glück als einen Schlitten bei Eiseskälte durch die weite Landschaft zu ziehen. Unser Haustier-Mitleid ist hier fehl am Platz.

Ein intensives Tagesprogramm

Dennoch sind die Tage für alle anstrengend. Der Musher-Tag beginnt mit dem Sonnenaufgang. Dann heisst es, zuerst die Huskys versorgen, dann uns. Die eingekringelten Fellknäule bekommen Suppen aus aufgeweichtem Trockenfutter – so ist gleichzeitig für ausreichende Flüssigkeit gesorgt. Doch auch für Huskys ist das Aufstehen bei Temperaturen, kälter als die heimische Gefriertruhe, eine Überwindung. Ausser das schweigsame Schlappern der Morgensuppe ist nichts zu hören. Doch spätestens, wenn die Hunde an die Führungsleine angeschirrt sind, kommt bei den Rennmaschinen Begeisterung auf: Endlich können sie wieder durch den Schnee pflügen.

Sie lieben das Rennen so sehr, dass wir Hobby-Musher vornehmlich mit bremsen beschäftigt sind. Dafür gibt es zwei Vorrichtungen, die mit den Füssen bedient werden. Lenken müssen wir nicht. Jürg Eugster spurt mit seinem Gespann, das aus acht Hunden besteht, den Weg im frischen Schnee, alle anderen Schlitten folgen der Duftspur.

Foto: TravelBistro

Etwa sechs Stunden sind wir pro Tag unterwegs – stehend. Das fordert Reserven. Zur Belohnung gibt es eine Landschaft, die im Winter nur aus zwei Farben besteht. Aus einem Eisbonbon-blauen Himmel und einer Polarbär-weissen Unendlichkeit: ein Winter Wonderland, wie für einen romantischen Weihnachtsfilm erschaffen. Grösste Herausforderung ist die Kälte, die am Körper zehrt – und dem Autor die Nasenspitze erfriert.

Zum Schluss wird aufgetaut

Alles ist tiefgefroren: Kleider, Essen und die Hütten, in denen wir die Nacht verbringen. Nach der Ankunft werden deshalb die Arbeiten aufgeteilt. Jeder muss seinen Teil beitragen: Holz hacken, einfeuern, die Sauna von minus 25 Grad auf etwa 60 Grad aufheizen, im See ein Loch für das Wasser bohren, das Essen für die Hunde vorbereiten, einen heissen Tee kochen. Während wir warten, bis das Hundefutter auftaut und der Schwedenofen gegen die Kälte ankämpft, kuscheln wir uns in unsere dicken Schlafsäcke. Nach einer gefühlten Ewigkeit, nachdem die Hunde versorgt sind, gibt es auch für uns Znacht, romantisch bei Kerzenschein und Kopflampengeflimmer. Und schliesslich heizen wir uns für die Nacht noch in der Sauna auf – eine Standarteinrichtung im Hohen Norden.

Foto: TravelBistro

Draussen ist es mittlerweile stockfinster bis auf ein grünes Flimmern am Horizont: Nordlichter. Über den Himmel zieht sich ein grünes Band, das aussieht wie ein Vorhang im Wind. Gigantisch! Che und Co. ist das Schauspiel allerdings hundsegal, sie haben sich in den Schnee eingegraben und träumen vom Schlittenziehen. Garantiert.

Foto: TravelBistro

Travel Basics

Corona Update Seit Ende Dezember 2020 ist das Land (wieder) auf der Risikoländer-Liste des Schweizer Bundesamts für Gesundheit. Das heisst, dass nach der Rückkehr in die Schweiz eine Quarantäne von 10 Tagen nötig ist. (Stand Januar 2021)

Hinkommen Zum Regionalflughafen in Arvidsjaur (Schwedisch Lappland) geht es aus der Schweiz mit einmaligem Umsteigen in Stockholm.

Mitbringen Huskyabenteuer Wichtig ist Kleidung, die dreckig werden kann. Temperaturen bis 30 Grad Minus sind hier keine Seltenheit. Sprich, Skiunterwäsche in mehrfacher Ausführung und Dickegrad ist ein Muss. Zudem mindestens zwei paar Handschuhe, dicke Mütze und Gesichtsschutz. Robustes Schuhwerk, Taschenlampe. Sonnenschutz nicht vergessen. Vom Veranstalter (Wildact Adventure Tours) werden Thermohose und -jacke, gefütterte Schuhe, Schlafsack und ein Drybag für den Transport gestellt. Bei Buchung gibt es eine ausführliche Packliste.

Buchung Das beschriebene Schlittenhunde-Erlebnis inklusive Anreise und weitere Angebote in unterschiedlicher Länge nach Schwedisch und Finnisch Lappland können bei Glur Reisen gebucht werden.

Informationen: Wild Act Adventure Tours Glur Reisen

 

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