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In zehn Stunden durch Barcelona

Für Kreuzfahrt-Touristen sind Landgänge absolute Highlights. Besonders Städte lassen sich so wunderbar erkunden. Was tun an einem Tag in einer grossen Stadt wie Barcelona? Wir wollten es wissen und machten uns zu Fuss auf einen Streifzug.

In zehn Stunden durch Barcelona

Der schrille Klingelton holt uns aus dem Schlaf. Es ist sechs Uhr – viel zu früh für einen Ferientag. Doch wir Sesselpiraten sind nicht nur zum Relaxen auf hoher See. Eine Kreuzfahrt auf dem Mittelmeer hat fast jeden Tag ein neues Land mit einer spannenden Stadt auf dem Programm, die förmlich nach einer Erkundung schreit. Das Schiff ist über Nacht von Marseille in Richtung Spanien gefahren und hat am Hafen von Barcelona am «Quai Moll Adossat» angelegt.

Foto: Pixabay

Nach dem Frühstück begeben wir uns mit einer Karte und gutem Schuhwerk ausgerüstet ins Stadt-Abenteuer. Der öffentliche «Blauen Bus» fährt für vier Euro alle 30 Minuten von den Terminals zum Christopher Kolumbus-Denkmal Mirador de Colom hin und zurück. Hier, am Plaça del Portal de la Pau, wurde der Entdecker 1493 nach seiner Rückkehr aus den USA von König Ferdinand II empfangen und gefeiert. Es ist ein besonderes Gefühl, auf demselben Flecken Erde zu stehen, wie einst diese grossen Männer.

Das Kolumbus-Denkmal befindet sich am südlichen Ende der Rambla oder Las Ramblas – Barcelonas berühmteste Flaniermeile. Sie ist zirka 1,3 Kilometer lang, reicht bis zum zentralen Verkehrsknotenpunkt Plaça Catalunya und unterteilt die Altstadt in die beiden Viertel Barri Gòtic und Raval. Die Fussgängerzone hier ist eigentlich immer sehr lebendig. Doch um acht Uhr dreissig scheint es den Marktleuten, den Strassenmusikanten und – künstlern wohl noch etwas zu früh zu sein. Deshalb verlassen wir die Rambla und suchen eines der ersten grossen Werke von Anton Gaudí: das Stadtpalais Palau Güell im Viertel Barri Raval. Der spanische Architekt hat das Stadtbild von Barcelona geprägt und ist mit seiner Baukunst im Stil des sogenannten Modernisme unverkennbar.

Foto: TravelBistro

Fasziniert von seiner Architektur überqueren wir die Rambla und tauchen beim Plaça del Teatro in die engen Gassen des gotischen Viertels Barri Gòtic. Mit der Gründung einer römischen Siedlung im Jahr 133 vor Christus begann hier die Geschichte Barcelonas. Wir spazieren auf den zu römischen Zeiten angelegten Hauptstrassen und bestaunen die Baudenkmäler aus der katalanischen Gotik. Vor der Kathedrale La Seu bedecken wir unsere nackten Beine und Schultern mit Tüchern, um das schönste gotische Bauwerk der Stadt zu besichtigen. Inzwischen ist es kurz nach zehn Uhr. Langsam, aber sicher erwacht die Stadt.

Insider-Tipp

Barcelona ohne Sangria und Paella, das geht nicht! Im Restaurante Arosseria Gaudi ganz in der Nähe der Sagrada Familia gibt es Mittagsmenüs, verschiedene leckere Paellas, darunter sogar eine vegetarische. Der Service ist super und das Preis-Leistungsverhältnis top! Arrosseriagaudi

Wir wollen dort jedoch keine religiösen Relikte anschauen, sondern schnellstmöglich zum Casa Batlló, eines der schönsten Werke Gaudís am Passeig de Gràcia. Auf dem Weg dorthin sticht uns das Konzerthaus Palau de la Música Catalana ins Auge. Das kunstvolle Gebäude wurde vom Architekten Lluís Domènech i Montaner entworfen, der wie Gaudí Vertreter des Modernisme war. Liebhaber der Architektur sollten eine Führung durch die Konzertsäle machen, sie sind grandios! Genauso wie das Casa Batlló. Leider liegt eine Wartezeit von zwei Stunden für ein Eintrittsticket nicht drin. Deshalb geben wir uns mit dem Bestaunen der Fassade zufrieden und freuen uns auf das Wahrzeichen der Stadt: die Sagrada Família.

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Die Türme der imposanten Basilika sind schon aus weiter Ferne zu erkennen. Wie die vielen Kranen zeigen, wird immer wieder am Bau von 1882 gearbeitet. Die Fertigstellung ist zum 100. Todestag Gaudís im Jahr 2026 geplant. Leider sind die Tickets für den Eintritt bereits um 12.30 Uhr ausverkauft, weshalb wir uns, wie viele andere, erneut mit der Ansicht von aussen abfinden. Nach dem Mittagessen steht die letzte Etappe unseres Streifzugs in Richtung Park Güell an. Der wird auch als Hommage Gaudís an die Natur bezeichnet.

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Der Aufstieg verlangt in der Nachmittagshitze einiges von uns ab. Doch er lohnt sich trotz der Tatsache, dass auch hier die Tickets längst ausverkauft sind. Gut, dass ein Teil des Gartens kostenlos besichtigt werden kann. Wir schlendern auf den verwinkelten Wegen durch den wunderschönen Zaubergarten, kommen an Laubgängen, Blumen, Viadukten und Brücken vorbei, bewundern den ehemaligen Wohnsitz des Architektur-Meisters und blicken beim höchsten Aussichtspunkt über die wundervolle Stadt. Leider müssen wir bereits zum Schiff zurück. Nach einem Fussmarsch von knapp 20 Kilometern entscheiden wir uns für den öffentlichen Bus, der uns bis zum Plaça Catalunya, dem nördlichen Ende der Rambla, fährt. Die inzwischen lebhafte Flaniermeile macht ihrem Namen nun alle Ehre.

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Während Musiker und Künstler die Sangria trinkenden Zuschauer unterhalten, präsentieren die Händler auf der Fussgängerzone ihre Waren. Uns bleibt noch Zeit für einen kleinen Rundgang in den Hallen des bekannten Marktes Mercat de la Boqueria. Zurück auf dem Schiff winken wir adiós amigos, wir kommen wieder, auf Wiedersehen goodbye!

Mein persönliches Fazit

Es ist immer so eine Sache. Soll man in einer Grossstadt einen Ausflug buchen, um an einem Tag möglichst viel zu sehen oder ist es besser, auf eigene Faust rumzulaufen? Barcelona ist eine sichere Stadt mit sehr gastfreundlichen Menschen. Eine Erkundungstour zu Fuss, mit dem öffentlichen Verkehr oder den City-Bussen ist überhaupt kein Problem, sondern sehr empfehlenswert. Grund: Man ist den Einheimischen näher, hat authentische Erlebnisse und zig Überraschungsmomente. Zudem ist man frei in jeder Hinsicht und hat keinen Stress.

Travel Basics

Hinkommen Wer nicht auf einer Kreuzfahrt ist, kann relativ günstig mit der Swiss oder der Vueling direkt von Zürich nach Barcelona (BCN) fliegen. Von Genf und Basel mit Easyjet. Die Anreise mit dem Zug ist zum Beispiel via Paris möglich. Sie dauert allerdings elf Stunden.

Reisezeit Barcelona ist eine Ganzjahresdestination. Die Region Katalonien bereist man am besten zwischen Frühling und Herbst.

Sprache Die Region ist zweisprachig: Spanisch und Katalanisch.

Weitere Informationen: Barcelona, Swiss, Easyjet

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