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Die grosse Freiheit – Ein Roadtrip durch Ostfinnland

Auf einer Rundreise ab Kuopio in Ostfinnland entdecken wir den sagenumwobenen nordkarelischen Nationalpark Koli, geniessen die lokalen Spezialitäten und wärmen uns in der Sauna auf. Den Abschluss bildet die fantastische Inselwelt des Saimaa-Sees.

Die grosse Freiheit – Ein Roadtrip durch Ostfinnland

In Kuopio bewahrheitet sich heute das Sprichwort: Was brauchst du gutes Wetter, wenn du gutes Essen hast? Bei meiner Ankunft schüttet es nämlich fürchterlich, kalt ist es ausserdem. «Heute ist es grau und zehn Grad kälter als gestern, sogar wir frieren», sagt Ilona Sares, als sie mich nach einem rund einstündigen Flug von Helsinki Richtung Norden vom kleinen Flughafen in Kuopio abholt. Sie ist die Project Managerin für die Events im Rahmen der «European Region of Gastronomy», welche die Region um Kuopio im Jahr 2020/21 geplant hat und nun coronabedingt laufend anpassen muss.

Mein Glück: Ilona hat ihr Büro in ein gemütliches Speisezimmer umfunktioniert und tischt mir bei meiner Ankunft regionale Spezialitäten auf – wir essen Karottensuppe mit Fenchel, kalt geräucherte Regenbogenforellen, Fischplätzchen, Erdbeeren sowie warmen Heidelbeerkuchen mit Eis. Diese Schlemmereien lassen den Regen schnell vergessen. «Mach dir keine Sorgen», sagt sie nach dem Essen. «Der Regen geht hier so schnell, wie er kommt.» Dass stattdessen Nebel aufzieht, hat sie allerdings nicht verraten.

Der erste Stopp meines Roadtrips durch das östliche Finnland ist der Koli-Nationalpark. Die 160 Kilometer durch die finnischen Wälder (das Land besteht zu 86 Prozent aus Wald) sind so meditativ, dass ich spontan irgendwo am Strassenrand parkiere und ein Nickerchen mache. Als ich endlich angekommen bin, versteckt sich der Nationalpark in Nordkarelien, die östlichste Region Finnlands, im dichten Nebel – einzig die Endstation des Sessellifts kann ich nach dem Einchecken im Hotel aus meiner Panorama-Suite erkennen. Koli grenzt an ein Skigebiet, das seit über 75 Jahren auf den «Ukko-Koli» lockt. Der Berg, wie er hier genannt wird, liegt zwar lediglich 347 Meter über dem Meeresspiegel, aufgrund der flachen Umgebung erhebt er sich dennoch majestätisch über den Pielinen-See, Finnlands viertgrösstes Binnengewässer.

Roadtrip durch Finnland im Herbst

Foto: TravelBistro

«Der Name Ukko bedeutet alter Mann. Ukko war der heidnische Gott des Himmels, des Wetters sowie des Feuers und wurde hier der Sage nach mit Geschenken besänftigt», erzählt mir Irja Tanskanen, Guide des Besucherzentrums Ukko, bei unserer Wanderung auf den Berg. Auf dem höchsten Punkt angekommen, meint es Ukko gut mit uns und zaubert wie auf Kommando die Sonne hervor. Endlich! Denn das Panorama über dem Pielinen mit seinen 1253 bewaldeten Inseln ist einmalig und nicht umsonst das meistfotografierte Sujet des Landes. Wir wandern auf weichen Naturpfaden weiter durch den Wald, der nach Fichtennadeln und Birkenblättern duftet, sehen uralte Felsformationen, Steinpilze und Pfifferlinge. Die Blau- und Preiselbeersträucher tragen ein Herbstkleid, das wie ein loderndes Feuer im dicken Moos leuchtet.

Roadtrip durch Finnland im Herbst

Foto: Shutterstock

Am Nordende des Pielinen-Sees erwartet mich am nächsten Tag im Örtchen Nurmes Minna Murtonen im Guesthouse Majatalo Pihljapuu. Nach einem aufwärmenden Saunagang backen wir zusammen Karelische Piroggen. Das Gebäck hat in Karelien schon seit mehreren Hundert Jahren Tradition und besteht aus einem Roggenmehlteig mit einer Füllung aus Milchreis. Eine schöne Form hinzukriegen, ist keine leichte Sache, das braucht etwas Übung und vor allem Geduld. Wir holen sie, knusprig gebräunt, aus dem Ofen, bestreichen die Spezialitäten mit Butter und essen sie zur Vorspeise. Anschliessend werden mir Salate und ausgezeichneter frischer Fisch serviert. Minna erzählt mir während des Essens von den vielen spannenden Begegnungen mit ihren Gästen und wie sie im Winter mit den Langlaufskiern über den See zur Arbeit flitzt. So liesse es sich leben, denke ich mir.

Mittelalterburg in Savonlinna Finnland

Foto: TravelBistro

Mit einem Lunchpaket bewaffnet fahre ich 240 Kilometer weiter in Richtung Rantasalmi am Saimaa-See. Das Gewässer ist mit 4380 Quadratkilometern der grösste See Finnlands. Dies entspricht sage und schreibe 2,5 Mal dem Kanton Zürich. Der Weg führt mich an einer der ältesten Städte Finnlands vorbei: Savonlinna liegt im Herzen des Saimaa-Gebietes, wurde im 16. Jahrhundert gegründet und ist für die Opernfestspiele auf der schönsten Burg Skandinaviens, Olavinlinna, bekannt. Mit ein paar Geistergeschichten von der sagenumwobenen Festung aus dem 14. Jahrhundert im Gepäck fahre ich weiter. Beim Hotel in Rantasalmi wartet ein Holzboot, das mich als Abschluss meiner Reise durch die Inselwelt des Saimaa fährt. Die Dimensionen sind beeindruckend, ganz geschweige von der Landschaft und der herrschenden Ruhe in dieser unberührten und geschützten Natur. Ich geniesse einfach und lasse meine Gedanken zur Ruhe kommen. Mich wundert es nun nicht mehr, dass die Finnen zu den glücklichsten Menschen der Welt gehören, wie der «World Happiness Report» der Vereinten Nationen zum zweiten Mal berichtet. Zu denen zähle ich mich nach dieser Woche nämlich auch.

Travel Basics

Hinkommen Mit der Finnair direkt ab Zürich oder Genf. Die Flugzeit ab Zürich beträgt rund 2 Stunden 40 Minuten. Corona Situation: aktuell sind Reisen nach Finnland nicht möglich.

Einreise Für Schweizer Bürger reicht eine Identitätskarte.

Mücken Es ist ratsam, in den Sommermonaten ein guten Mückenspray im Gepäck zu haben. Am aktivsten sind die Insekten zwischen Juni und anfangs August auf dem Land in Sumpfnähe.

Wetter Wechselhaft ist die beste Umschreibung fürs Wetter. Deshalb ist es gut auch immer einen Regenschutz dabei zu haben. Im Sommer (Juli) liegen Im Süden Finnlands die Durchschnittstemperatur bei zirka 17 Grad Celsius. Es hat aber auch schon Tage gegeben, an denen das Thermometer über 30 gestiegen ist.

Weitere Informationen: www.visitfinland.com

 

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