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Ausflugstipp vor der Haustüre #8 – Auf die Geiss gekommen

Das Appenzeller Dörfchen Gais erlangte als Molkekurort einst Weltruhm. Heute geht es ruhiger zu. Beispielsweise auf der Panoramawanderung «Lauras Lieblingsplätze».

Ausflugstipp vor der Haustüre #8 – Auf die Geiss gekommen

Laura hat die Haare schön. Stolz trägt sie ihre schneeweisse Pracht zur Schau. Eine rechte Beauty-Queen ist sie, die Laura. Zuweilen verströmt sie einen gar strengen Geruch. Aber das macht sie mit ihrer kecken Art, die einen leicht um den Finger wickelt, wieder wett.

Laura ist eine Appenzeller Ziege und gehört zu eine der acht offiziellen Schweizer Ziegenrassen. Doch die Ziegendame ist auch eine der letzten ihrer Art, denn der Bestand gilt als gefährdet. Etwa 1300 Tiere sind im Schweizer Herdebuch verzeichnet – zu wenige. Die Gründe sind klar: Ziegenzucht lohnt sich heutzutage nicht mehr. Geissenkäse und -fleisch sind kaum gefragt.

Ab 1749 brachten es die Vor-Vor-Fahren von Laura allerdings zu internationalem Ruhm: Damals stieg das Örtchen Gais (Nomen est omen) zum ersten Molkekurort der Welt auf. Molke galt als Superfood. Das ärztlich verordnete Trinken von Ziegen- und Kuhmolke solle angeblich gegen Lungenleiden, Verdauungsproblemen und Gicht helfen, so glaubte man. Aus ganz Europa pilgerten deshalb Gesundheitsbewusste in den beschaulichen Ort, um sich das eine oder andere Glas Molke zu gönnen.

Tour Upgrade

Das Appenzellerland bietet insbesondere viel für Wander- und Outdoorliebhaber. Weniger bekannt ist, dass es in Appenzell zwei schweizweit bedeutende Museen gibt. Im Kunstmuseum Appenzell und in der Kunsthalle Ziegelhütte ist den Werken der Schweizer Maler Carl August und Carl Walter Liner gewidmet. Ergänzt wird die Werkschau durch regelmässige Ausstellungen zur Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts.

Die Zeiten des Ruhms sind längst vorbei, für den Ausflugstourismus spielen die Ziegen aber immer noch eine Rolle. Namentlich die hübsche Laura, die sich besonders gern an schönen Aussichtspunkten niederlässt – so jedenfalls erzählt es das Tourismus-Marketing. Rund um Laura wurde die Rundwanderung (10 Kilometer, 3 Stunden) «Lauras Lieblingsplätze» zusammengefasst. Vom Bahnhof startend, geht es auf dem Höhenrücken einmal um das Dorf. An den schönsten Weitblick-Spots stehen Bänke in Geissenform, zum Ausruhen und In-die-Ferne-Träumen. Der Blick reicht vom Säntis und bei guter Sicht bis zum Schwarzwald jenseits des Bodensees. Höhepunkt der Wanderung, im geografischen wie emotionalen Sinn, ist der Gaiser Hausberg Gäbris mit seiner rustikalen Beiz «Oberer Gäbris». Hier wohnt auch Laura, die, wenn sie in der Stimmung ist, auch mal für ein Selfie posiert.

Entlang des Themenwegs sind zudem an sechs Standorten kleine Hüttchen aufgestellt, in denen es Wissenswertes zum Appenzellerland und seinen Traditionen zu erfahren gibt. Die Stationen sind so gestaltet, dass sie insbesondere auch für Kinder interessant sind. Und wer ganz im Sinne der Gaiser Geschichte etwas für seine Gesundheit tun will, kann mit Laura am Hüttchen «Kraftort» Yoga machen. Meckern nicht vergessen!

Travel Basics

Hinkommen Gais ist leicht mit der Appenzeller Bahn zu erreichen.

Strecke Der Themenweg Lauras Lieblingsplätze ist knapp 10 Kilometer lang (3 Stunden) und weist 400 Höhenmeter auf.

Einkehren Auf dem Rundweg liegen zwei Beizen, der untere Gäbris und der Obere Gäbris.

Informationen: www.gais-tourismus.ch

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