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Roadtrip durch Irland – Scheinwerferaugen, schwärmende Blicke und blökende Schafe

Der Wild Atlantic Way gilt als längste Küstenstrasse der Welt. Das ist wahrscheinlich nur ein PR-Gag – ein Traum ist der Roadtrip entlang der rauen Westküste dennoch. Und wenn man dabei noch in einem VW Bully herumtourt: perfekt. Ein Besuch bei Feen, Exzentrikern und dramatischen Landschaften.

Roadtrip durch Irland – Scheinwerferaugen, schwärmende Blicke und blökende Schafe

Für jedes epische Reiseabenteuer braucht man die passende Begleitung. Ein Gspänli, das mit einem bis ans Ende der Welt reist, auf das man sich verlassen kann und das einem nicht im Regen stehenlässt: so wie Ruby, den 44-jährigen, etwas rundlichen Retro-VW Camper, deren Gänge regelmässig knarzen. Ruby ist ein Bulli der Generation T2, die von 1967 bis 1979 gebaut wurden. Das Kultauto der freiheitsliebenden Hippis hat alles, was es für das ultimative Roadtrip-Abenteuer braucht: eine Kochecke, eine Spüle, einen Stromanschluss und ein Doppelbett. In meinem iPod suche ich den passendsten Hit aus Rubys Geburtsjahr 1975: Joe Cockers »You are so beautiful«. Oh ja, Ruby ist eine Schönheit.

Roadtrip durch Irland

Sieht Ruby nicht wunderschön aus?

Unterwegs sind wir auf dem Wild Atlantic Way, dem laut irischen Fremdenverkehrsamt längsten Küstenstrasse der Welt: 2500 Kilometer von Kinsale im Süden bis Malin Head im Norden. Am Weg liegt die gesamte Schönheit Irlands, die Panoramastrasse »Ring of Kerry«, die mystische Klosterinsel Skelling Michael, die lebendige Studentenstadt Galway, die Moorlandschaft von Connemara und die Weltklasse Surfspots von Donegal. Und natürlich gefühlte 1000 Pubs und eine Million Schafe, die urplötzlich hinter der Kurve auf der Strasse stehen. Die Landschaft ist zu schön und die Begegnungen zu herzlich, als dass man den gesamten Wild Atlantic Way in einer Ferienreise abfahren sollte. Ruby und ich tuckern gemächlich in einer Woche durch die Provinzen Clare und Galway.

Roadtrip durch Irland

Die Cliffs of Moher ragen etwa 120 Meter aus dem Atlantik. Bei Sonnenuntergang hat man die beliebte Touristenattraktion fast für sich alleine.

Unsere erste Nacht verbringen wir an den Cliffs of Moher. Bei Sonnenuntergang haben sich an Irlands Top-Touristenattraktion nur ein paar enthusiastische Fotografen versammelt – ansonsten Blöcken ein paar Schafe, muhen Kühe und kreischen Möwen um die 200 Meter hohen Klippen. Der Anblick der sonnenuntergangs-roten Klippen ist herrlich. Ebenso, wie der Blick aus der Frontscheibe beim Aufwachen: grüne Wiese, Steinmäuerchen, Kühe, blaues Meer.

Unweit von den Klippen liegt das kleine Dörfchen Lisdoonvarna. Die Roadside Tavern ist der berühmteste Pub der Gegend. Besitzer Peter Curtin braut nicht nur sein eigenes Bier und betreibt mit seiner Frau Brigitta eine Lachsräucherei, er ist auch Vorsitzender der Burren Tolkien Society. Der sympathische Exzentriker behauptet, in der unwirklichen Karstlandschaft »The Burren« habe J.R.R. Tolkien die Inspirationen für seine Trilogie »Herr der Ringe» gefunden. Der Beweis: eine Höhle mit dem bezeichnenden Namen »Poll na Gollum«. Könnte stimmen: Wenn man über die mondähnliche Landschaft wandert scheinen Hobbits, Elfen und Zaubrer hinter jedem Stein zu lauern. Das Land hat eine mystische Kraft. Kein Wunder, ist der Glaube an Feen und sonstigen Fabelwesen hier noch lebendig.

Roadtrip durch Irland

Der Aberglaube an mystische Helfer ist in Irland noch sehr lebendig. An heiligen Stellen bitten man Feen, Geister und Co. um Hilfe.

Ein Hang zum Aberglauben ist in der irischen Seele tief verwurzelt. Allenthalben findet man wundersame Quellen und Bäume mit heilenden Kräften. So funktionierts: Ein Streifen seines Hemdes anbinden, warten bis der Stoff verrottet, Krankheit geheilt.

Ich sollte auch ein Stück Ruby an einen Wunderbaum binden. Ihre Krankheit ist das Kuppeln. Die Gänge liegen nur Millimeter nebeneinander. Vom dritten rutsche ich immer in den Rückwärtsgang, was mir der Verkehr im Rücken recht übelnimmt.

Was solls, wir tuckern glücklich unserer Wege bis nach Clifden, der Hauptstadt der Provinz Connemara. Auf dem Aussichtspunkt der Rundstrasse Sky Road geniessen wir den Blick auf das Meer und die Inseln. Hier bekommen wir dann nochmals eine Lektion in Meteorologie. Das berüchtigte Wetter Irlands scheint bei Modelcoach Bruce Darnell in die Lehre gegangen zu sein: »Drama Baby, Drama!«. Weisse, grau-blaue und schwarze Wolken flitzen gleichzeitig über den blauen Himmel. Mal bricht die Sonne durch, dann regnet es ohne Vorwarnung in Strömen. »If you dont like the waether in Ireland, just wait a few minutes.« Wenn Du Irlands Wetter nicht magst, warte einfach ein paar Minuten. Wie wahr! Zu schnell ist es Zeit für die Rückreise. Beim Abschied sehe ich Tränen in Rubys Scheinwerferaugen – oder haben mir da die Feen einen Streich gespielt?

Roadtrip durch Irland

Immer der Freiheit entgegen …

Mein persönliches Fazit
Irland ist toll, Vintage Camper sind toll, die Pubs sind toll, die Menschen sind toll: Eine Reise nach Irland (ob mit oder ohne Camper) kann ich nur wärmstens empfehlen. Ich liebe die Insel – merkt man das? 🙂

Travel Basics

Anreise Mit SWISS von Zürich direkt nach Dublin. 

Reisezeit Irland hat milde Winter und ebenso milde Sommer. Hochsaison sind die Monate Juni bis August. Dementsprechend voll sind dann Unterkünfte und Attraktionen. Im Frühling und Herbst haben die meisten Touristen die Insel wieder verlassen. Im Winter ist Irland regnerisch und neblig – dafür touristenfrei!

Wild Atlantic Way Der gesamte Weg wurde durchgehend mit Wegweisern ausgestattet. Highlights sind besonders beschildert.

Informationen: ireland

 

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