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Piemont – mit dem Bulli zur Weinprobe

Das Piemont ist ein Paradies für Geniesser: Wein, Trüffel und Gaumenfreuden, die das Glück versprechen. Wir erkunden die Region mit dem Van – dann ist der Weg von der Weinprobe ins Bett nicht weit.

Piemont – mit dem Bulli zur Weinprobe

Manchmal ist es ein einziger Augenblick, der den Zauber einer ganzen Reise zusammenfasst. Es ist dunkel geworden und ich habe mich in den Weinreben um das Dörfchen Barolo verlaufen. Schuld daran sind die symmetrischen Reihen, die in der Nacht nicht zu unterscheiden sind. Und der schwere Rotwein, der mir durch die Adern pulst.

Zufällig komme ich zu einem Spot, der den Blick auf das mittelalterliche Städtchen freigibt, hinter dem gerade ein gelber Vollmond aufgeht. Weinselig lege ich mich auf die Erde. Es riecht nach Restsommer und reifen Trauben. Magisch. La vita é bella.

Mit dem Camper zur Weinprobe ins Piemont, Italien

Foto: TravelBistro

Das Piemont – Eine Genussregion der Extraklasse

Unterwegs bin ich mit dem Camper in dem wohl genussfreudigsten Flecken Europas, der norditalienischen Region Piemont. Genauer gesagt in den südlicheren Landstrichen Langhe und Roero, das Zuhause von solch wunderbaren Dingen wie Barolo- und Barbaresco-Rotweinen und weissen Alba-Trüffeln – und Tafelfreuden, die allen voran ein Glücksversprechen sind.

Mal schnell Znacht essen? Denkste! Wie fast überall in Italien, nimmt man sich auch im Piemont Zeit zum Geniessen. Im Ristorante Garibaldi im Örtchen Cisterna d’Asti beispielsweise schlemme ich drei Stunden lang: Vitello Tonnato, Carne Cruda (Rohes Fleisch mit Trüffel), Prosciutto und Salame, selbstgemachte Pasta und Agnolotti (Mini Ravioli), gesottene Lammschulter, dazu Rotwein. Nach dem Essen verlagert sich das Geniessen dann an die Bar, wo Hausherr Lino Schnäpse und Liköre spendiert.

Mit dem Camper zur Weinprobe ins Piemont, Italien

Foto: TravelBistro

An Fahren ist nach so einem alkoholgeschwängerten Gelage nicht mehr zu denken. Deswegen falle ich in meinem Camper an Ort und Stelle ins Bett. Selten war das eigene Schneckenhaus so praktisch, als in einer Region, wo Wein und Grappa in Strömen fliessen.

Das Piemont ist ideal für autarke Camper

Überhaupt ist das Piemont ein Camper-Paradies: Fast jedes Dörfchen besitzt einen grossen Parkplatz, bei dem man über Nacht stehen darf. Oft gibt es sogar ein ausgewiesenes Areal für Camper mit Stromanschluss und Entsorgungsstation für die Chemietoilette.

Mit dem Camper zur Weinprobe ins Piemont, Italien

Foto: TravelBistro

Offizielle Campingplätze sind in der Langhe und im Roero allerdings Mangelware. «Hier kostet der Hektar mehrere Millionen Euro, da legt niemand einen Campingplatz an», erklärt mir der Besitzer des einzigen Caravanplatzes in der Region Langhe.

Dieser liegt dafür traumhaft inmitten der Barolo-Weinberge, die sich über die sanften Hügel ziehen wie eine penibel gezogene Frisur. Dazwischen sitzen auf den Bergkuppen kleine Dörfchen, viele davon mit einer mittelalterlichen Burg. Die Region ist ein Schmuckstück. Was auffällt: Trotz vieler Genusstouristen (in normalen Jahren) haben die Dörfchen ihren authentischen Charme behalten. Hier gibt es noch den Dorfmetzger, den Krämerladen und die Autowerkstatt mitten im Dorf. Und an schier jeder Ecke eine Cantina, einen Weinkeller.

Weine von Weltklasse werden in den elf Gemeinden im kleinen Anbaugebiet Barolo gekeltert, die seit dem Jahr 2014 zum Unesco Welterbe erhoben wurden. An einer Weindegustation kommt man hier nicht herum. In den sanften Hügeln kann man auf markierten Wegen herrlich wandern und Velofahren (was ich nur empfehlen kann). Ich für meinen Teil habe beschlossen, dass es für mich dieses Mal um den Genuss geht: Wein, Ausgehen, Trüffel.

Mit dem Camper zur Weinprobe ins Piemont, Italien

Foto: TravelBistro

TravelBistro Lese-Tipp

Suchen Sie kleine aber feine Stellplätze in Italien? Wenn Sie autark unterwegs sind, finden Sie bei Agricamper Italia eine spannende Auswahl. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

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Auf der Jagd nach den Trüffeln

Denn die Region ist nicht nur bekannt für seine edlen Tropfen, sondern auch für die weissen Albatrüffel, die Crème de la Crème der Edelknollen, die schon mal für 6000 Euro das Kilo über die Ladentheke gehen.

Ich möchte selbst Trüffel suchen und verabrede mich deshalb mit Davide und seinem Hund Jack in der Nachbarregion Roero, dem ungestümen Bruder der Langhe. In den tiefen Tälern wuchert noch ungezähmter Wald – ein Paradies für Trüffel, die an den Wurzeln von Eichen, Pappeln oder Weiden wachsen. Bei meinem Besuch im Herbst sind die weissen Knollen nicht reif, aber die kleineren Brüder, die schwarzen Sommertrüffel, sind schon bereit für die Suche.

Jack der Trüffelhund, den Davide zwei Jahre lang trainiert hat, jagt durchs Gestrüpp und hat einen riesen Spass, denn für jeden gefundenen Pilz gibt es sein Lieblingsleckerli. Sieben Stück erschnuppert die Supernase. Einen davon nehme ich mit und versuche auf dem Campingkocher mein Glück mit einer Trüffel Pasta. Sahne erhitzen, Parmesan einschmelzen lassen, Trüffel reinschaben: Das geht auch auf einer einsamen Gasplatte ganz gut.

In dieser Nacht stehe ich mit meinem Van auf einem abgelegenen Parkplatz in den Weinbergen. Ich bin alleine. Auf einer alten Steinbank geniesse ich die erste selbstgemachte Trüffelpasta meines Lebens, als wäre ich im Sternerestaurant.

Daneben steht eine ganze Flasche Barolo, die den Abend nicht überlebt. Egal, bis zum Bett sind es ja nur ein paar Meter. La vita é bella.

Mit dem Camper zur Weinprobe ins Piemont, Italien

Foto: TravelBistro

Travel Basics

Einreise Unter diesem Link gibt es Informationen rund um die Einreise von Schweizern nach Italien. Wichtig vor dem Grenzübertritt ist, dass Reisende das Passenger Locater Formular online ausfüllen.

Generell Unweit der Schweiz liegen einige der schönsten Regionen Italiens. Dort finden Abenteurer, Naturfreaks, Kulturinteressierte und Sportler eine Vielzahl an Möglichkeiten, ihre freien Tage zu verbringen. Im Süden locken bezaubernde Küsten und Inseln mit Meer und Badespass zum Relaxen. Die bei Schweizerinnen und Schweizern sehr beliebte Feriendestination ist mit Camper oder Caravan sehr einfach zu erreichen und zu entdecken. 

Hinkommen ins Piemont In den beschriebenen Regionen Langhe und Roero braucht man von Zürich mit einem Camper etwa sechs Stunden.

Übernachtungssituation Offizielle Campingplätze gibt es in der beschriebenen Region wenige. Camper und Vans sind aber dennoch gerne gesehen: Viele Gemeinden stellen Caravan-Parkplätze zur Verfügung, teilweise sogar mit Stromanschluss und Entsorgungsstation für Chemietoiletten. Auch das Übernachten auf offiziellen Parkplätzen wird geduldet.

Caravan-Miete Der Camper wurde uns von der Firma SpaceCamper zur Verfügung gestellt, die sich auf den Ausbau von VW-Modellen spezialisiert hat und zudem Mietcamper anbietet. Das abgebildete Modell ist der Spacy, ein Mix aus Alltagsbus und Campervan. Nebst grosser Liegefläche, Aufstelldach. Tisch und verschiedenen Verstaumöglichkeiten, bietet der VW T6 eine kleine Küchenzeile mit Kochplatte und Spüle. Zur Vermietung stehen zudem andere Modelle mit verschiedenen Ausbauvarianten. Preis: Ab 1400 Franken für eine Woche. www.spacecamper.ch

Informationen: www.langheroero.it www.italia.it

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