Irische Austern – Der Geschmack des Meeres

Die Grafschaft Galway im Westen Irlands ist nicht nur alleine wegen des Wild Atlantic Ways bekannt, sondern auch wegen der kulinarischen Freuden. Die Austern sind so intensiv wie das Land.

Irische Austern – Der Geschmack des Meeres

Austernfischer Diarmuid Kelly (50) steht knietief im Fluss und schaut nach seinen Schätzen: den seltenen Europäischen Austern, das Beste, was es im Austern-Business gibt. Heute ist der Job allerdings eine Herausforderung: Mal schüttet es, als würde die Welt untergehen, Sekunden später scheint die Sonne. Das Wetter an Irlands Westküste liebt die grossen Gesten.

Ganz im Gegensatz zu Diarmuid, der zu den besten Austernzüchtern der Welt zählt und dennoch täglich selbst in die Wathosen schlüpft. Mit einem Rechen klaubt er ein paar Austern vom Meeresboden und öffnet sie mit einem Messer. Zart rosa schimmert das Fleisch in dem Perlmuttgehäuse, darauf schwimmen ein paar Tropfen Atlantik. «Nicht wegschütten», mahnt der Experte. «Der erste Schluck bereitet den Gaumen auf den Genuss der Auster vor». Und der hat es in sich: Die rohe Auster schmeckt nach Wildnis. Nach Salz, Seegras, Torf. Ungezähmt mit einem Hauch Süsse. Wie eine Nase voller Meeresaroma. «Das ist der Geschmack des Landes und der Irischen See», schwärmt Diarmuid. «Eine Auster ist wie ein guter Wein. Sie nimmt den Geschmack der Umgebung auf». «Merroir», abgeleitet vom Terroir des Weins, nennen die Austernfischer das.

 

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Diarmuid zeigt in die Ferne. «Im Süden liegen die Kalkberge der Burren, im Norden der Sandstein aus Connemara und im Hinterland die saftigen Wiesen». Das Wasser der Regionen vermische sich mit den Aromen des Meeres und gebe den Austern ihre unverwechselbare Note. Experten sagen gar, genau hier befände sich der Himmel für Austern-Liebhaber.

Insider-Tipp

Vom Meer direkt auf den Tisch kommen die frischen Austern im Moran’s Oyster Cottage in Kilcolgan etwa 20 Kilometer südlich von Galway. www.moransoystercottage.com

Dieser Landschafts-Mix ist freilich nicht nur Dünger für Muscheln, Hummer und Co., sondern auch ein Anziehungspunkt für Touristen – seit Jahren steigen die Touristenzahlen im Westen der grünen Insel. Insbesondere, als im Jahr 2014 der «Wild Atlantic Way» ins Leben gerufen wurde. Die längste Küstenstrasse der Welt – wie der Werbeslogan behauptet – führt in 2500 Kilometern vom Süden bis zur Grenze nach Nordirland und verbindet einige der schönsten Spots der Insel: die Panoramastrasse Ring of Kerry, die Klosterinsel Skelling Michael oder die Cliffs of Moher

 

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Aber der Weg ist nicht nur landschaftlich eine Wucht, sondern auch ein Fest für Foodies. Denn der Roadtrip streift nicht nur Whiskeydestillerien und Lachsräuchereien, sondern führt direkt durch die Grafschaft Galway, welche im Jahr 2018 «Europäische Gastronomieregion» war – eine Auszeichnung, die Regionen mit einer ausgeprägten Nahrungsvielfalt und lebendigen kulinarischen Traditionen ehrt.

«Eine Auster ist wie ein guter Wein. Sie nimmt den Geschmack der Umgebung auf»

Diarmuid Kelly

Eine solche lebendige Tradition ist «Moran’s Oyster Cottage» im Örtchen Kilcolgan. Seit 1790 ist das kleine Reetdach-Hüttchen in Familienbesitz und mittlerweile bis ins ferne Hollywood bekannt: Scarlett Johansson feierte in dem rustikalen Pub einst Silvester. Dabei kommt hier kein extravaganter Schnickschnack auf den Tisch, sondern ehrliche Hausmannskost, wie es für die Region typisch ist: Krebsbeine in Knoblauchbutter, Herzmuscheln, Lachs und Austern – alles von lokalen Fischern, die ihre Ausbeute direkt bis vor die Tür schippern. «Wir sind der Meinung, gute Produkte brauchen nur wenige Zutaten», sagt Chefin Sheala Moran (63), welche die Nase rümpft, wenn Gäste ihre Austern mit Ketchup schlürfen. «Das kann ich nicht verstehen».


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Die genussvolle Stippvisite am Rande Europas endet in der quirligen Studentenstadt Galway. Die Altstadt quillt über von Restaurants (darunter zwei mit Michelin-Stern) und Pubs, in denen es all abendlich pfeift, trommelt und trillert: Auch die traditionelle Musik wird hier gepflegt. Zu den wehmütigen Tönen eines Dudelsacks (und einem Bauch voller Meeresgetier) passt ein Ale der lokalen Brauerei «Galway Hooker», das ebenso herb die Kehle herunterläuft wie der erste Schluck Atlantik.


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Mein persönliches Fazit
Gründe, nicht mal Irland zu besuchen, fallen mir keine ein. Die Menschen sind herzlich, die Pub-Kultur mit der dazugehörigen Musik ist der Hammer und die Landschaft schlichtweg schön. Nichts wie hin!

Wie komme ich hin Mit Swiss, British Airways oder Aer Lingus in gut 2 Stunden ab Zürich nach Dublin und weiter mit dem Mietwagen an die Westküste. Siehe auch konkreter Reisevorschlag unter «Buchen?».

Weitere Informationen Galway Gastronomy

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