Reisemedizin – Gesunder Menschenverstand, Mückenschutz und ein Helm

Zika, Dengue und Co. – Immer wieder verunsichern Meldungen von Epidemien die Ferienstimmung. Wir sprachen mit Reisemediziner Professor Christoph Hatz von der Universität Zürich.

Reisemedizin – Gesunder Menschenverstand, Mückenschutz und ein Helm

Mosquitos können viele Krankheiten übertragen. Wie gross ist die Gefahr für Touristen?

Mücken übertragen viele unterschiedliche Krankheiten. Reisende fordern daher immer mehr Impfungen. Aber mit einem guten Mückenschutz kann man das Risiko auf ein Minimum reduzieren.

Auch die Dengue-Krankheit wird via Mücken übertragen. Neuste Studien zeigen, dass die Zahl der Schweizer, die sich mit Dengue-Fieber anstecken, rasant steigt. Wie gefährlich ist diese Krankheit?

Ich sage es mal so: Dengue ist eine ‘saumässig‘ unangenehme Krankheit. Wenn man das Vollbild einer Dengue-Erkrankung hat, fühlt man sich sehr, sehr krank. Aber man stirbt nicht daran. Bei der schweren Form kann es zu inneren Blutungen und Schockzuständen kommen. Das ist bei Touristen aber extrem selten. Zudem kann sich ein Tourist eine intensivmedizinische Behandlung leisten, mit der man die Krankheit gut behandeln kann.

In welchem Alter sind Kinder fit genug für Impfungen und Prophylaxen?

Impfungen und Prophylaxe sind auch für sehr kleine Kinder kein Problem. Die Frage sollte eine andere sein: Profitiert das Kind von der Reise oder nicht? Ein Baby hat nichts von einer Reise. Da müssen sich die Eltern überlegen: Ist es mir so viel wert, dass ich das dem Kind zumute.

Auf was sollten Eltern bei Kindern am meisten achten?

Hauptproblem ist deren sensibler Flüssigkeitshaushalt. Man sollte den Kindern immer genüg zu trinken geben. Das ist nicht nur wichtig im Fall von Durchfall, sondern auch bei Fieber. Vorsichtige Eltern könnten Elektrolytbeutel mitnehmen, die man dem Kind bei Durchfall verabreichen kann – manchmal reicht es aber auch, den Kindern Reisschleimsuppe und Bananen zu geben.

Reisediarrhoe hat fast jeder schon mal erlebt. Wie kann man sich davor schützen?

Die meisten Durchfallerkrankungen bekommt man durch verunreinigte Nahrungsmittel.

Die altbekannte Regel «boil it, cook it, peel it» (Wasser abkochen, Nahrungsmittel kochen und Obst und Früchte schälen, Anm. d. Red.) ist unrealistisch, da die Reisenden sich nicht daran halten. Wichtig ist ein gesunder Menschenverstand. Wenn etwas zum Beispiel aufgewärmt oder nicht durchgegart aussieht, dann lasse ich das stehen.

Was ist die grösste Gefahr für Reisende im Ausland?

Viele Reisende haben Angst vor Infektionskrankheiten. Die Gefahr von Unfällen im Strassenverkehr ist allerdings wesentlich höher. Wer sich zum Beispiel in Thailand ohne Helm auf ein Motorrad setzt, gefährdet seine Gesundheit massiv. Diese Gefahren werden in den Ferien oft leichtsinnig übersehen. 

Man könnte fast meinen, man sollte lieber nicht in die Ferien fahren.

Nein, natürlich nicht. Mit gesundem Menschenverstand, den nötigen Impfungen und einem ausreichenden Mückenschutz reduzieren Sie das Risiko einer Erkrankung auf ein Minimum. Wichtig ist: Geniessen Sie die Reise! Dann kommen Sie mit einem schönen, befruchtenden Gefühl zurück. Gerade in Zeiten von Terrorismus ist es sehr wichtig, dass man diese Freude an den Reisen und den Kontakt mit den Einheimischen haben kann. Eine Reise ist eine wunderbare Gelegenheit, Menschen unterschiedlicher Kulturen in einer positiven Weise zusammenzubringen.

Foto: Shutterstock

Travel Basics

Beratung Jeder, der in tropische Regionen reist (Afrika südlich der Sahara, Indien, Südostasien, Indonesien, Ozeanien, Mittel- und Südamerika), sollte sich 6 Wochen vor Reiseantritt bei einem Zentrum für Reisemedizin beraten lassen.

Zürich: Zentrum für Reisemedizin der Uni Zürich (Hirschengraben 84). Beratung und Impfung ohne Voranmeldung, Mo, Do: 16.30 Uhr – 19 Uhr, Mi: 11 Uhr – 15 Uhr, Fr: 9 Uhr bis 11 Uhr.

Basel: Reisemedizinisches Zentrum (Socinstrasse 57). Beratung und Impfung ohne Voranmeldung, Mo, Di, Do: 16 Uhr – 19 Uhr, Mi, Fr: 12 Uhr bis 14 Uhr.

Bern: Poliklinik für Reisemedizin (Inselspital). Beratung und Impfung mit Voranmeldung. Telefon +41 31 632 2525.

Impfungen Impfempfehlungen richten sich nach Ort, Reiseart und Dauer. In manchen Ländern sind Impfungen vorgeschrieben (z.B. Gelbfiberimpfung in Ländern Afrikas).

Mückenschutz Die Kleidung (ab der Dämmerung immer langärmliche Kleidung tragen) mit einem Insektizid einsprühen. Auf unbedeckte Hautstellen ein Mückenschutzmittel auftragen. Im Hotelzimmer mit laufender Klimaanlage schlafen oder ein Moskitonetz verwenden. Zusätzlich kann gegen die lebensgefährliche Krankheit Malaria eine medikamentöse Prophylaxe eingenommen werden.

Weitere Informationen: SAFETRAVEL

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