Wandern auf den Kapverden – erst mal einen Rum …

Die Kapverdischen Inseln werden als Beach-Destination immer beliebter. Doch noch schöner als deren Strände ist die Vielfalt an Wanderrevieren. Wir haben die Insel Santo Antão unter die Füsse genommen.

Wandern auf den Kapverden – erst mal einen Rum …

Wanderführer Roni rennt den Berg hoch, als gebe es nichts Leichteres auf der Welt. Ich dagegen hinke in der Tropenhitze hinterher, als ginge es um die Besteigung des Mont Blanc. «Im Vergleich zu euren Bergen sind das doch nur Hügel», sagt er und packt endlich den Snack aus, den seine Mutter für uns gekocht hat: Pasta mit Thunfisch und Chorizo. Unterwegs bin ich auf der kapverdischen Insel Santo Antão, das spektakulärste Eiland des Archipels, auf dem sich die Berge 2000 Meter in den Himmel schieben.

Foto: TravelBistro

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Die Vulkanlandschaft mit ihren tiefen Tälern ist spektakulär aber erfordert eine gewisse Portion Fitness.

Geboren aus Vulkanwut haben Jahrmillionen Wetter rasiermesserscharfe Täler in den Basalt gefräst. Das Ergebnis ist eine spektakuläre Topografie, die kaum Platz fürs Leben lässt: Die wenigen Dörfer quetschen sich überall dort in den Felsen, wo ein Plateau ein wenig Fläche bietet; das bisschen Landwirtschaft findet auf Terrassenfelder statt, die teilweise keinen Meter breit sind.

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Landwirtschaft ist an den steilen Hängen ein Knochenjob.

Was das Leben in den vergangenen Jahrhunderten zur Hölle machte, ist heutzutage der perfekte Backdrop für eindrückliche Trekkingtouren auf ehemaligen Eselspfaden: Santo Antão ist ein Paradies für Wandervögel. Die Kapverden sind ein 10-Insel-Archipel vor der Küste Westafrikas, die bis vor kurzen kaum auf der touristischen Weltkarte auftauchten. Doch die Inseln holen auf: Etwa 640 000 Besucher kamen in 2016 – ein Anstieg von 13 Prozent.

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Typisches Bild auf der Insel Sal: Hotelanlagen und Sandstrand.

Die Gründe sind klar: abseits vom Massentourismus in Spanien und sonstigen Mittelmeer-Destinationen, sucht sich die Ferienkarawane ein neues Ziel für ihre Strandferien – und findet Sandstrände und günstige All-inklusive-Anlagen auf den beiden Inseln Sal und Boa Vista.

Die meisten Touristen setzen allerdings kaum einen Fuss ausserhalb die Hotelanlage und verpassen das Beste: Kapverdes grosse Landschaftsvielfalt. Jede Insel hat ihren eigenen Charakter. Wer etwas mehr Zeit mitbringt, sollte unbedingt zum Inselhopping aufbrechen. Grünes Schmuckstück der sonst wüstenhaften Kapverden ist die Insel Santo Antão ganz im Westen. Durch die Höhe von knapp 2000 Metern bleiben im Norden die feuchten Passatwinde kleben und bringen Regen und tränken die Vegetation. Grösster Stolz der Einwohner ist das Paúl-Tal, gesprochen Paaa-uuul, mit seinem üppigen Pflanzenwuchs.

Foto: TravelBistro

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Das Paúl-Tal mit seinem feuchten Klima und fruchtbaren Böden ist der Stolz der Einwohner.

«Das ist der schönste Platz auf den ganzen Kapverden, wenn nicht gar in ganz Afrika», schwärmt Roni, als wir vom Talkopf bis zum fernen Meer blicken. Die Wanderung über Serpentinenwege vorbei an Zuckerrohr, Yamm-Wurzeln, Mangobäumen und Bananenstauden dauert einen Dreivierteltag – das liegt auch an unseren regelmässigen Pausen in den Kneipen am Wegesrand.

Ausgeschenkt wird Grogue, die kapverdische Variante des Rums. Am liebsten getrunken als Punsch, gesüsst mit Honig. Dementsprechend leutselig kommen wir später am kleinen Hotelchen im Ort Ponta do Sol an. Passend zum Namen «Musca do Mar» spielt heute eine Dreierkombo auf. Roni beschliesst spontan, zu bleiben. «Die sind richtig gut», sagt er und ruft seine Freunde an. Musik ist der soziale Schmierstoff der Kapverden.

Foto: TravelBistro

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Es klingt nach einem Klischee, stimmt aber dennoch: Die Menschen auf den Kapverden haben Musik im Blut.

Durch den Einfluss aus Portugal, Afrika und Lateinamerika haben sich Musikformen entwickelt, die direkt in die Beine gehen. Die kleine Uferpromenade hat sich mit Menschen gefüllt, die Sonne versinkt orange im Meer. Und während die Handvoll Europäer steif wie Plumpsäcke an ihren Tischen kleben, tänzelt Roni mit der jungen Bedienung um die Tische. Lebensgefühl à la Kapverden.

Mein persönliches Fazit
Die Kapverdischen Inseln sind eine gute Alternative zu den europäischen Stränden und den Kanarischen Inseln. Allerdings muss man sich hier vor der Küste Afrikas auf eine Infrastruktur einstellen, die nicht den gleichen Standard erreicht wie in Europa.

Travel Basics

Hinkommen Von der Schweiz auf die Kapverden geht es mit TAP Air Portugal über Lissabon. Die portugiesische Flugline bietet kostenlos ein Layover (bis zu 5 Tagen) in Lissabon an, sodass man der portugiesischen Haupstadt noch einen Besuch abstatten kann.

Einreise Zur Einreise wird ein Reisepass benötigt. Für 25 Euro gibt es am Flughafen ein Visum.

Geld Die Währung der Kapverden ist der Escudo, der einen festen Wechselkurs zum Euro hat. 1 Euro = 110 CVE. Zum Wechseln eignen sich Euros. Bargeld kann auch am Geldautomaten abgehoben werden.

Gesundheit Es werden keine besonderen Impfungen benötigt. Sechs Wochen vor der Reise sollten man seinen Hausarzt konsultieren und abklären, ob Grundimpfungen aufgefrischt werden sollten. Erste Info bietet auch Safetravel.

Arrangements Unterkünfte sowie verschiedene Rundreisen, die mehrere Inseln einschliessen, können zum Beispiel bei Travelhouse gebucht werden.

Weitere Informationen: flaytap, safetravel, travelhouse

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