Oberengadin – Verführt von der Teufelin

Das Oberengadin ist keine Unbekannte – aber immer wieder schön. Wer die Zeiten des Touristenansturms vermeidet, findet herrlich zur Ruhe. Und lernt sogar eine neue Sportart. Allegra!

Oberengadin – Verführt von der Teufelin

Der Teufel hat viele Wege, den Menschen zu verführen. Mit Reichtümern, Sinnesfreuden und Königreichen. Manchmal reicht ihm aber auch ein Jacuzzi. Es ist 9 Uhr morgens am Diavolezza Berggasthaus. Zu dieser frühen Stunde sind die Skifahrer, die Snowboarder und die In-die-Ferne-Gucker noch nicht hochgekommen. Wir haben also das Berninamassiv mit seinen Gletschern für uns. Gewaltig stehen sie da, die Drei- und Viertausender, als könnten ihnen der Lauf der Welt nichts anhaben. Die unbegreiflich hohen Werke sind herrlich wie am ersten Tag.

Die Sonne scheint von einem kobaltblauen Himmel und durchflutet uns mit Endorphinen – ebenso wie der Jacuzzi, in dem wir uns eine Stunde lang durchblubbern lassen (vom Aperol Spritz am Morgen ganz zu schweigen). Und schon hat uns die sexy Teufelin, denn nichts anderes bedeutet «Diavolezza», am Wickel: Das ist so schön, da willste nicht mehr weg. 

Mann in Jacuzzi Diavoleza berge

Foto: TravelBistro

Der Jacuzzi steht auf knapp 3000 Metern Höhe und ist der wohl höchste Wellness-Spot der Schweiz. Gäste können das Sprudelbad für eine Stunde buchen – ideal nach einem Tag auf den Brettern. Oder wie bei uns als Auftakt für ein paar Tage im Oberengadin, bei denen wir es uns gut gehen lassen und die Ruhe geniessen wollen. 

Die Ruhe der Zwischensaison

Wir haben uns deshalb in der Zwischensaison in das Sonnental aufgemacht, wenn das Engadin im Dornröschenschlaf versinkt. Denn wir finden, die Ruhe ist es, die dem Engadin ihren Zauber verleiht. Unser Tipp: Wer im Restwinter noch ein paar Tage im Engadin verbringen will, sollte unbedingt die beliebtesten Reisezeiten vermeiden. 

Zu erleben gibt es nämlich auch in der Zwischensaison viel: Wenn wir nicht im warmen Wasser oder auf der Sonnenterrasse sitzen, gehen wir Schneeschuhwandern, lassen uns mit der Pferdekutsche durch das Winterwunderland kutschieren oder stapfen durch den Schnee. 

Mann Schneeschuhen Schweizer Berge

Foto: TravelBistro

Insider-Tipp

Mit 2 PS ins Winterwunderland

Es hatte schon seinen Grund, warum Philosoph Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) Sils Maria als seinen Rückzugsort aussuchte: Hier hatte der Denker die nötige Ruhe zum «Herumhirnen». Abseits des Trubels liegt das Dörfchen heute noch, ideal für alle, die es ruhiger angehen wollen. Eine der romantischsten Erlebnisse der Region ist eine Kutschenfahrt ins autofrei Fextal, wo es mehrere Einkehrmöglichkeiten gibt. Beim Traditionsunternehmen Coretti kostet eine Retourfahrt von Sils bis zum Talkopf für 4 Personen 200 Franken (inklusive 1,5 Stunden Wartezeit). Auch Einzelstrecken sind möglich. www.coretti.ch

Das Engadin: Eine Unbekannte ist das sonnige Hochtal natürlich nicht. Kaum ein Schweizer, der nicht schon mal hier war. Und dennoch kann man bei jedem Besuch etwas Neues entdecken.

Der Slapstick des Langlaufens

Für mich sind es dieses Mal die ersten Gehversuche auf Langlaufskiern. Zugeben: Ich stand noch nie auf den Brettern, die das Winterglück bedeuten. In einer alpenfernen Jugend hatte es sich nie ergeben und als Erwachsener hat mich die Motivation nicht gepackt. Bis jetzt. Denn im Oberengadin flitzen, wo man geht und steht, die Langläufer einem vor der Nase herum. Etwa 240 Kilometer sind hier für die klassische Variante und nochmal so viel fürs Skating gespurt. Warum also nicht mal etwas Neues wagen?

Ich verabrede mich mit dem Geschäftsführer Stephan Müller von der Schweizer Skischule Corvatsch-Pontresina am Silser See, damit er mir das klassische Langlaufen beibringt – Charly Chaplin hätte den Slapstick nicht besser inszenieren können. Skibewehrte Füsse, die sich selbstständig in Bewegung setzen, Notbremsen mit dem ganzen Körper und ungewollte Spagat-Übungen amüsieren die Zuschauer. 

 

Also schlurfe ich über die Loipe, die Skistöcke in den Schnee gerammt und die Skier so fest wie möglich auf den Boden gestemmt.

Mann Skier Sils Maria

Foto: TravelBistro

«Du sicherst dich an drei Punkten ab und schiebst nur das eine Bein nach vorne. Du läufst auf Skiern», ermahnt mich Stephan Müller. «Langlaufen ist aber ein Einbein-Sport!» Wers richtig macht, verlagert sein Gewicht mal auf das eine, mal auf das andere Bein und gleitet durch die Loipe.

Manchmal klappt es, die meiste Zeit kämpfe ich allerdings mit der Technik. Aber das ist egal – denn pünktlich zum Ende des Mini-Kurses geht die Sonne hinter dem Silser See unter. Goldenes Licht tänzelt über den Schnee und die Bergspitzen. Teuflisch schön ist es hier. Oder göttlich. 


Sonnuntergang über dem Silser See

Foto: TravelBistro

Travel Basics

Wintersport

In der Schweizer Skischule Pontresina-Corvatsch mit Standorten in Pontresina, Silvaplana-Surlej, Sils Maria und Maloja können nicht nur die Kleinen ihre ersten Schwünge im Schnee absolvieren, sondern auch Grosse ihre Fähigkeiten aufpolieren. www.ssscp.ch

Übernachten

Das Viersterne-Superior-Hotel Saratz in Pontresina besteht aus dem Jugendstil-Altbau und einem neuen Hotelkomplex. Insgesamt wartet das Hotel Saratz mit 93 Zimmern, drei verschiedenen Restaurants und einem Wellnessbereich mit Innenpool, Sauna und Hammam auf. DZ ab 275 Franken.

Ebenfalls historisch ist das Hotel Edelweiss in Sils. Erbaut im Jahr 1876, kam Starphilosoph Friedrich Nietzsche, der direkt nebenan wohnte, hier täglich zum Zmittag vorbei. Der ursprüngliche Speisesaal mit all seinem Grandeur existiert noch. Hier fühlt man sich wie ein edler Herr aus der Belle Epoque. Die Zimmer sind dagegen schlicht eingerichtet. Stimmungsvoll ist die Bar inklusive Live-Pianomusik und brodelndem Kamin. In Nicht-Corona-Zeiten werden zudem regelmässig klassische Konzerte gegeben. DZ ab 328 Franken.

Informationen: www.diavolezza.ch, www.engadin.ch, www.sils.ch, www.saratz.ch, www.hotel-edelweiss.ch

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